Gütetermin Arbeitsgericht Ablauf: Was passiert beim ersten Termin?

Kategorie: Arbeitsrecht

Der Gütetermin ist der erste Schritt im Kündigungsschutzverfahren und dient ausschließlich dazu, eine schnelle Einigung zu erzielen. Meist findet er wenige Wochen nach Klageeinreichung statt, dauert nur 15–20 Minuten und kann bereits mit einem Vergleich enden. Kommt keine Einigung zustande, folgt der Kammertermin mit längerer Verfahrensdauer.

Was ist der Gütetermin beim Arbeitsgericht?

Das arbeitsgerichtliche Verfahren beginnt – anders als viele andere Gerichtsverfahren – grundsätzlich mit einem sogenannten Gütetermin. Ziel dieses Termins ist es, den Streit zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber möglichst früh durch eine einvernehmliche Lösung zu beenden.

Der Termin findet vor dem vorsitzenden Richter statt. Ehrenamtliche Richter sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht beteiligt. Anwesend sind in der Regel:

  • Sie als klagende Partei (Arbeitnehmer)
  • die Arbeitgeberseite
  • gegebenenfalls die jeweiligen anwaltlichen Vertretungen
  • der Richter bzw die Richterin

Wenn Sie sich fragen, wie Sie sich optimal vorbereiten, kann die Unterstützung durch einen Anwalt für Arbeitsrecht entscheidend sein.

Wann findet der Gütetermin statt?

Gesetzlich ist vorgesehen, dass der Gütetermin binnen 2 Wochen nach Klageeinreichung stattfindet. Häufig liegt der Termin aber weniger als zwei Wochen nach Eingang der Klage. In der Praxis kann es – je nach Auslastung des Gerichts – auch 4 bis 6 Wochen dauern.

Wichtig: Die Klage selbst muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung erhoben werden. Details dazu finden Sie hier: Kündigungsschutzklage – Frist, Ablauf und Erfolgsaussichten.

Wie läuft der Gütetermin konkret ab?

Der Ablauf ist meist strukturiert und zugleich pragmatisch:

  • Der Richter fasst den bisherigen Sach- und Streitstand kurz zusammen.
  • Die Arbeitgeberseite erläutert die Gründe für die Kündigung (z. B. betriebsbedingt, verhaltensbedingt oder personenbedingt).
  • Das Gericht stellt Fragen und prüft die jeweiligen Argumente.
  • Im Anschluss gibt der Richter oft eine erste vorläufige Einschätzung der Erfolgsaussichten.
  • Dann wird ausgelotet, ob eine Einigung durch einen Vergleich möglich ist.

Dieser Ablauf ist bewusst knapp gehalten – ein Gütetermin dauert meist nur etwa 15 bis 20 Minuten, selten länger.

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Welche Rolle spielt ein Vergleich?

Der zentrale Punkt des Gütetermins ist die Möglichkeit eines Vergleichs. Dabei einigen sich beide Parteien auf eine Lösung – häufig gegen Zahlung einer Abfindung.

Das hat mehrere Vorteile:

  • Schnelle Klärung ohne lange Verfahrensdauer
  • Rechtssicherheit sofort nach Abschluss eines Vergleichs
  • der Vergleich ist rechtlich wie ein Urteil vollstreckbar
  • Keine Gerichtskosten bei Einigung

Gerade im Arbeitsrecht gilt oft: „Schnelles Geld ist gutes Geld“. Verfahren können sich sonst über viele Monate oder sogar Jahre hinziehen.

Eine erste Orientierung zur möglichen Höhe einer Abfindung bietet unser Abfindungsrechner.

Kann man sich während des Termins beraten?

Ja, und das ist oft sinnvoll. Wenn ein Vergleichsvorschlag im Raum steht, können Sie jederzeit eine kurze Unterbrechung verlangen, um sich mit Ihrem Anwalt zu besprechen.

Das gilt sowohl für persönliche Termine vor Ort als auch für Online-Verhandlungen. So können Sie in Ruhe abwägen, ob das Angebot für Sie passt.

Was passiert, wenn eine Einigung erzielt wird?

Kommt es zu einem Vergleich, wird dieser direkt im Termin protokolliert. Das geschieht entweder durch Diktat des Richters oder – bei moderneren Gerichten – digital per Bildschirm – besonders wenn in Videokonferenzen verhandelt wird.

Nach Genehmigung durch beide Parteien ist der Vergleich rechtswirksam. Im Anschluss erhalten Sie das Dokument schriftlich oder digital. Die vereinbarten Ansprüche (z. B. Abfindung) können dann unmittelbar durchgesetzt werden.

Was passiert, wenn keine Einigung zustande kommt?

Sollte der Gütetermin ohne Ergebnis bleiben, wird ein sogenannter Kammertermin angesetzt. Dieser findet deutlich später statt – je nach Gericht zwischen einigen Monaten oder (bei überlasteten Gerichten) über einem Jahr.

Bis dahin läuft das Verfahren schriftlich weiter:

  • Der Arbeitgeber nimmt zur Klage Stellung
  • Sie erhalten Gelegenheit zur Erwiderung
  • Weitere Schriftsätze können folgen

Dabei ist entscheidend, alle gerichtlichen Fristen unbedingt einzuhalten.

Fazit: Warum der Gütetermin entscheidend ist

Der Gütetermin ist ein wichtiger Termin im gesamten Verfahren. Hier entscheidet sich, ob Sie schnell zu einer wirtschaftlich sinnvollen Lösung kommen oder ein langwieriger Prozess folgt.

Eine gute Vorbereitung und realistische Einschätzung der eigenen Position sind dabei entscheidend. Wenn Sie Ihre Chancen frühzeitig prüfen möchten, kann auch ein strukturierter Ansatz wie unser digitale Kündigungsschutz per Klick hilfreich sein.

Am Ende gilt: Der Gütetermin bietet die beste Gelegenheit, den Streit schnell und verbindlich zu lösen – nutzen Sie sie strategisch.

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